Viele Websitebetreiber haben keine Shops, keine Buchungssysteme und keine Kundenportale. Ihre Webseite informiert einfach nur: über das Unternehmen, die Leistungen, Öffnungszeiten, Kontaktmöglichkeiten oder aktuelle Neuigkeiten.

Und genau dann kommt seit dem BFSG oft die Frage auf:

Muss so eine reine Info-Webseite überhaupt barrierefrei sein?

Die kurze Antwort lautet: Nicht automatisch im gleichen Sinne wie ein Online-Shop oder eine Buchungsplattform.
Aber das bedeutet nicht, dass Barrierefreiheit für reine Informationsseiten unwichtig wäre.

Denn eine Info-Webseite hat eine einfache Aufgabe: Menschen sollen Informationen finden, verstehen und nutzen können. Wenn genau das durch schlechte Lesbarkeit, unklare Struktur oder technische Hürden erschwert wird, verfehlt die Seite ihren eigentlichen Zweck.

Was ist eine reine Info-Webseite?

Mit einer reinen Info-Webseite ist eine Website gemeint, die hauptsächlich Informationen bereitstellt. Besucher können dort lesen, wer du bist, was du anbietest, wo dein Unternehmen sitzt und wie man dich erreicht.

Typische Inhalte sind:

Startseite, Leistungsübersicht, Über-uns-Seite, Kontaktseite, Öffnungszeiten, Anfahrt, Referenzen, Blogbeiträge, Bildergalerien, PDF-Downloads oder einfache Informationsartikel.

Wichtig ist: Auf einer echten Info-Webseite findet normalerweise kein direkter Online-Abschluss statt. Es gibt keinen Warenkorb, keinen Checkout, keine verbindliche Buchung, kein Kundenkonto und keine Online-Zahlung.

Ein Beispiel:
Ein Malerbetrieb stellt seine Leistungen vor, zeigt ein paar Projektfotos und nennt Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Besucher können sich informieren und anschließend Kontakt aufnehmen. Das ist eher eine klassische Info-Webseite.

Warum der Unterschied wichtig ist

Viele Aussagen zum BFSG klingen so, als müssten seit 2025 alle Webseiten automatisch komplett barrierefrei sein. Das sorgt verständlicherweise für Unsicherheit.

In der Praxis muss man aber genauer unterscheiden.

Eine Seite, die nur informiert, ist etwas anderes als eine Seite, über die Verbraucher direkt etwas kaufen oder buchen können. Bei einem Online-Shop ist der digitale Kaufprozess der zentrale Punkt. Bei einer Hotelwebseite mit Buchungsstrecke ist die Online-Reservierung entscheidend. Bei einem Kundenportal geht es um digitale Nutzung, Login und Verwaltung.

Eine reine Info-Webseite erfüllt dagegen vor allem eine Orientierungsfunktion. Sie hilft Besuchern dabei, Informationen zu finden und eine Entscheidung vorzubereiten.

Trotzdem kann auch diese Informationsfunktion wichtig sein. Wenn zum Beispiel Öffnungszeiten, Preise, wichtige Hinweise oder Kontaktmöglichkeiten nicht gut zugänglich sind, entsteht für manche Menschen trotzdem ein echtes Problem.

Gilt das BFSG für reine Informationsseiten?

Eine reine Informationsseite ohne Shop, Buchung, Kundenkonto oder digitalen Vertragsabschluss ist in vielen Fällen nicht der typische Hauptfall des BFSG.

Das heißt aber nicht, dass man pauschal sagen sollte: „Info-Webseiten betrifft Barrierefreiheit gar nicht.“

Denn es kommt immer darauf an, was die Website genau macht. Manche Seiten wirken auf den ersten Blick wie reine Info-Webseiten, enthalten aber doch Funktionen, die genauer geprüft werden sollten.

Zum Beispiel:

Ein Termin kann online verbindlich gebucht werden.
Ein Gutschein kann bestellt werden.
Ein Kurs kann reserviert werden.
Ein Angebot kann digital bestätigt werden.
Ein Vertrag kann online abgeschlossen werden.
Es gibt einen Mitglieder- oder Kundenbereich.
Ein PDF ist notwendig, um eine Leistung zu nutzen.
Ein Formular löst einen verbindlichen Prozess aus.

Dann ist die Seite nicht mehr ganz so „rein informativ“, wie sie vielleicht wirkt.

Ist ein Kontaktformular schon ein Problem?

Ein normales Kontaktformular macht eine Info-Webseite nicht automatisch zu einem Online-Shop oder Buchungsportal. Es ist erst einmal nur ein digitaler Weg, um eine Nachricht zu senden.

Trotzdem sollte ein Kontaktformular zugänglich sein. Denn für viele Besucher ist es der wichtigste Kontaktweg.

Ein schlechtes Formular kann schnell zur Barriere werden. Zum Beispiel, wenn Felder nicht richtig beschriftet sind, Pflichtfelder unklar bleiben, Fehlermeldungen nur rot markiert werden oder der Absenden-Button nicht mit der Tastatur erreichbar ist.

Auch wenn ein einfaches Kontaktformular nicht automatisch eine BFSG-Pflicht auslöst, ist es aus praktischer Sicht ein wichtiger Bereich. Denn wenn Menschen deine Website zwar lesen, aber keine Anfrage senden können, bringt die Seite nur die halbe Leistung.

Warum Barrierefreiheit für Info-Webseiten trotzdem sinnvoll ist

Eine Info-Webseite lebt davon, dass Informationen schnell gefunden und verstanden werden. Genau dabei hilft Barrierefreiheit.

Barrierefreiheit bedeutet nicht nur, dass Menschen mit Behinderung eine Website besser nutzen können. Es bedeutet auch, dass die Seite insgesamt klarer, lesbarer und einfacher wird.

Davon profitieren viele Besucher:

ältere Menschen,
mobile Nutzer,
Menschen mit schlechter Internetverbindung,
Besucher mit wenig technischer Erfahrung,
Menschen mit Sehschwäche,
Nutzer, die schnell eine Telefonnummer suchen,
Menschen, die Inhalte auf kleinen Displays lesen.

Eine gut strukturierte Info-Webseite ist also nicht nur rechtlich entspannter, sondern auch nutzerfreundlicher.

Typische Barrieren auf reinen Info-Webseiten

Gerade einfache Webseiten haben oft Fehler, die niemand bewusst eingebaut hat. Sie entstehen nebenbei, beim Gestalten, beim Befüllen oder durch Themes und Plugins.

Häufige Probleme sind:

zu kleine Schrift,
zu wenig Kontrast,
lange Textblöcke ohne Zwischenüberschriften,
unklare Menüs,
Buttons mit Texten wie „Mehr“ oder „Hier klicken“,
Bilder ohne sinnvolle Alternativtexte,
PDFs, die nur als Scan hochgeladen wurden,
Kontaktformulare ohne echte Beschriftungen,
Cookie-Banner, die schwer zu schließen sind,
mobile Menüs, die nicht gut funktionieren.

Für viele Besucher sind das kleine Ärgernisse. Für andere sind es echte Hindernisse.

Was bedeutet barrierefrei bei einer Info-Webseite?

Bei einer Info-Webseite geht es vor allem darum, dass Inhalte gut wahrnehmbar, verständlich und bedienbar sind.

Texte sollten gut lesbar sein. Farben sollten genügend Kontrast haben. Überschriften sollten logisch aufgebaut sein. Links sollten verständlich benannt werden. Bilder sollten dann einen Alt-Text haben, wenn sie wichtige Informationen vermitteln.

Auch die Navigation ist wichtig. Besucher sollten schnell erkennen, wo sie welche Informationen finden. Eine Kontaktseite sollte leicht erreichbar sein. Telefonnummern sollten nicht nur als Bild eingebunden sein. PDF-Dokumente sollten möglichst durch normale HTML-Inhalte ergänzt oder ersetzt werden.

Eine Info-Webseite muss nicht langweilig aussehen. Sie muss nur so gestaltet sein, dass sie ihren Zweck erfüllt: informieren, erklären und weiterhelfen.

PDF-Dateien sind ein häufiger Schwachpunkt

Viele reine Info-Webseiten verwenden PDFs. Speisekarten, Preislisten, Flyer, Broschüren, Anmeldeformulare oder technische Datenblätter werden gerne als PDF hochgeladen.

Das ist praktisch, aber nicht immer benutzerfreundlich.

Ein PDF kann schwer lesbar sein, besonders auf dem Smartphone. Wenn es nur aus einem eingescannten Bild besteht, können Screenreader den Inhalt oft nicht sinnvoll erfassen. Auch Suchmaschinen tun sich damit manchmal schwerer als mit normalem Website-Text.

Wenn wichtige Informationen nur in einem schlecht zugänglichen PDF stehen, ist das ungünstig. Besser ist es, zentrale Inhalte zusätzlich direkt auf der Webseite bereitzustellen.

Ein Beispiel:
Eine Restaurant-Speisekarte sollte nicht nur als Bild-PDF verfügbar sein. Besser ist eine normale Seite mit gut lesbarem Text. Das hilft Nutzern, Screenreadern und oft auch Google.

Bilder und Alt-Texte: Nicht übertreiben, aber sinnvoll nutzen

Viele Info-Webseiten enthalten Bilder: Teamfotos, Referenzen, Produkte, Räume, Projekte oder Stimmungsbilder.

Nicht jedes Bild braucht einen langen Alt-Text. Ein rein dekoratives Hintergrundbild muss nicht ausführlich beschrieben werden. Wenn ein Bild aber wichtige Informationen transportiert, sollte diese Information auch in Textform vorhanden sein.

Ein gutes Beispiel:

Schlecht: „Bild123.jpg“
Besser: „Modernisiertes Badezimmer mit bodengleicher Dusche und hellen Wandfliesen“

Bei einer Referenzgalerie kann ein sinnvoller Alt-Text helfen, den Inhalt des Bildes zu verstehen. Bei einem rein dekorativen Musterbild wäre weniger oft besser.

Alt-Texte sollten also nicht einfach mit Keywords gefüllt werden. Sie sollen Menschen helfen, die das Bild nicht sehen können.

Texte: Verständlichkeit ist auch Barrierefreiheit

Barrierefreiheit wird oft technisch verstanden. Dabei spielt Sprache eine große Rolle.

Eine Info-Webseite sollte nicht unnötig kompliziert schreiben. Besucher wollen schnell verstehen, was angeboten wird, für wen es gedacht ist und wie sie Kontakt aufnehmen können.

Lange Schachtelsätze, Fachbegriffe ohne Erklärung und riesige Textblöcke machen es schwerer. Besser sind klare Absätze, verständliche Überschriften und direkte Formulierungen.

Das bedeutet nicht, dass jeder Text extrem vereinfacht werden muss. Aber er sollte zur Zielgruppe passen.

Eine gute Info-Webseite beantwortet Fragen, bevor Besucher lange suchen müssen.

Der einfache Selbsttest

Du kannst deine Info-Webseite ohne Spezialwissen grob testen.

Öffne die Website und stelle dir vor, du siehst sie zum ersten Mal.

Findest du sofort, worum es geht?
Ist die Schrift gut lesbar?
Sind die wichtigsten Seiten leicht erreichbar?
Kannst du die Website ohne Maus bedienen?
Siehst du beim Tabben, wo du gerade bist?
Ist die Telefonnummer als Text kopierbar?
Funktioniert das Kontaktformular?
Lässt sich das Cookie-Banner schließen?
Sind wichtige Informationen nicht nur in Bildern oder PDFs versteckt?

Dieser Test ersetzt keine professionelle Prüfung. Aber er zeigt schnell, wo die größten Schwächen liegen.

Was sollte man zuerst verbessern?

Bei einer reinen Info-Webseite würde ich mit den Dingen anfangen, die Besucher am häufigsten brauchen.

Das sind meistens:

Startseite, Leistungsseiten, Kontaktseite, Navigation, Kontaktformular, Telefonnummer, Öffnungszeiten, wichtige PDFs und mobile Ansicht.

Danach kann man die typischen Grundlagen verbessern:

Kontraste, Schriftgrößen, Überschriften, Alt-Texte, Formularbeschriftungen, Linktexte und Tastaturbedienung.

Man muss nicht sofort alles perfekt machen. Wichtig ist, dass die Seite Schritt für Schritt weniger Hürden enthält.

Reicht ein Accessibility-Plugin?

Ein Plugin kann einzelne Hilfen anbieten, aber es macht eine Website nicht automatisch barrierefrei.

Wenn ein Plugin zum Beispiel Schriftvergrößerung oder Kontrastwechsel anbietet, kann das hilfreich sein. Es löst aber keine falsche Überschriftenstruktur, kein schlecht beschriftetes Formular und kein unzugängliches Cookie-Banner.

Gerade bei Info-Webseiten ist die beste Lösung oft nicht kompliziert: saubere Struktur, klare Texte, gute Lesbarkeit und verständliche Bedienung.

Ein Plugin kann unterstützen, aber es ersetzt keine gute Website-Arbeit.

Ist eine barrierearme Info-Webseite besser für Google?

Viele Maßnahmen, die Barrierefreiheit verbessern, helfen auch der allgemeinen Website-Qualität.

Klare Überschriften machen Inhalte besser verständlich. Gute Linktexte helfen bei der Orientierung. Alt-Texte können Bildinhalte sinnvoll beschreiben. HTML-Text ist besser nutzbar als ein Bild mit eingebettetem Text. Eine klare mobile Darstellung sorgt für bessere Nutzererfahrung.

Das heißt nicht, dass Barrierefreiheit automatisch Top-Rankings bringt. Aber sie sorgt dafür, dass eine Website sauberer, verständlicher und benutzerfreundlicher wird.

Und genau das ist für SEO selten ein Nachteil.

Fazit: Nicht automatisch Pflicht, aber fast immer sinnvoll

Eine reine Info-Webseite ohne Shop, Buchungssystem, Kundenkonto oder digitalen Vertragsabschluss ist meistens nicht der typische Hauptfall des BFSG.

Trotzdem sollte sie nicht voller Barrieren sein. Denn auch eine Info-Webseite hat eine Aufgabe: Menschen sollen Informationen finden und verstehen können.

Wenn Texte schlecht lesbar sind, wichtige Inhalte nur als Bild oder PDF eingebunden werden, Formulare nicht funktionieren oder Menüs schwer bedienbar sind, verliert die Website an Qualität.

Mein praktischer Rat: Betrachte Barrierefreiheit nicht nur als Gesetzesfrage. Frage lieber: Können möglichst viele Menschen meine Informationen wirklich nutzen?

Wenn die Antwort ehrlich „noch nicht überall“ lautet, ist das kein Drama. Dann ist es ein guter Ausgangspunkt, die größten Hürden Schritt für Schritt zu entfernen.

Eine barriereärmere Info-Webseite ist klarer, freundlicher und oft erfolgreicher. Und genau darum sollte es bei einer guten Website gehen.

Dieser Artikel gibt eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung.